schloss lind/geschichte

schloss lind liegt in st. marein/neumarkt – auf einer leichten anhöhe über dem mühldorfer bach am eingang zur olsabachklamm. eigentlich handelt es sich um zwei gebäude: das fast turmartige gotische oberhaus und das schlossartige unterhaus. das oberhaus ist ein viereckiger fünfgeschossiger wohnturm. während die unteren beiden geschosse mit tonnengewölben versehen sind, weisen die oberen stockwerke balkendecken auf. das wohl aus dem 15. jahrhundert stammende turmhaus wurde in der renaissancezeit neu verputzt. an diesen turm schloss ein zweistöckiger wohnbau an, der gemeinsam mit ihm und einer wehrmauer einen kleinen hof umgab. von diesem wohnbau sind nur mehr trümmer vorhanden. im süden lag ein ebenfalls turmartiges dreigeschossiges torhaus. das oberhaus war durch einen graben gesichert, über den eine zugbrücke führte.
das in der spätrenaissance erbaute unterhaus ist ein regelmäßiges dreigeschossiges gebäude. der einflügelige bau wird durch einen dreiachsigen mittelrisalit gegliedert, der durch einen dreiecksgiebel mit uhr betont wird. aus der ostfront springen an den ecken zwei starke vierecktürme vor. ein gewölbtes vorhaus verband das alte mit dem neuen schloss. im park steht eine barocke kapelle.

Stich Schloss Lidn II         Stich Schloss Lind

schloss lind, einer der wohl geschichtlich interessantesten plätze im neumarkter hochtal, dürfte schon im 11. jahrhundert ein befestigter sitz der eppensteiner gewesen sein. die dort ansässige familie nannte sich „von linte“ und wurde später dem kleinadelsgeschlecht der „hammerl“ zugehörig. oftmals den besitzer wechselnd, gelangte es schließlich in den besitz des stifts st.lambrecht. das ANDERE heimatmuseum thematisiert u.a. die jüngere geschichte des schlosses während des zweiten weltkriegs. zu dieser zeit diente das schloss als nebenlager des kz-mauthausen.   
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schon mitte des 19. jahrhunderts wurden umfangreiche, archäologische grabungen am linder feld durchgeführt. bei diesen grabungen wurden u.a. viele römische (grab-)  steine gefunden, die heute großteils im stiftsmuseum st. lambrecht zu bewundern sind. aber auch reste von römischen gebäuden wurden freigelegt und lassen eine größere siedlung oder römische poststation (mansio) vermuten. seit dem erweckt das areal um das schloss lind immer wieder das interesse von historikern und (hobby-) archäologen. so gibt es auf dem areal spuren von (prä)historischem bergbau, mauerwerken, altstraßen, wasserreservoirs und viele streufunde von münzen bis hin zu römischen schuhnägeln.

                                                    

kreisstrukturen – hügelgräber oder kultplatz? nicht zuletzt die, auf den satellitenfotos aus dem jahr 2013 zu sehenden, exakten kreisstrukturen geben zu denken. diese werden durch den feuchtigkeitsunterschied und den daraus resultierenden unterschiedlichen pflanzenbewuchs, von den im boden verborgenen strukturen (gruben, mauern, ec.), verursacht. mit ziemlicher sicherheit handelt es sich um einfriedungsgräben von hügelgräbern, deren entstehungszeit entweder hallstattzeitlich und/oder römisch sein könnten. der größte sichtbare kreis besticht durch seine exaktheit und durchmesser von 30 metern.  handelt es sich hier um ein hallstadtzeitliches fürstengrab wie in strettweg? oder haben die kreise doch kultische zwecke gehabt, wie die anordnung vielleicht vermuten lässt? um diese und viele andere offene fragen zur archäologie des neumarkter hochtals zu klären, arbeitet das ANDERE heimatmuseum intensiv mit dem historischen arbeitskreis neumarkt und dem joanneum graz zusammen.